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30.03.2016 För­der­ve­r­ein

Eh­ren­mit­g­lied Dr. Pe­ter La­de­wig gra­tu­liert der Ju­gend­feu­er­wehr Sach­sen-An­halt zum 25 jäh­ri­gen Ju­bi­läum!


Lie­be Ka­me­ra­din­nen und Ka­me­ra­den der Kin­der- und Ju­gend­feu­er­weh­ren, lie­be Ju­gend­feu­er­wehr­war­tin­nen und Ju­gend­feu­er­wehr­war­te, lie­be Be­t­reue­rin­nen und Be­t­reu­er der Kin­der- und Ju­gend­feu­er­weh­ren,

ich möch­te mich in die Rei­he der Gra­tu­lan­ten ein­rei­hen und ganz herz­lich zum 25­jäh­ri­gen Be­ste­hen der Ju­gend­feu­er­wehr Sach­sen-An­halt gra­tu­lie­ren.

25 Jah­re Ju­gend­feu­er­wehr Sach­sen-An­halt ist nicht nur aus mei­ner Sicht ei­ne Er­folgs­ge­schich­te. Wer hat schon im Grün­dungs­jahr da­ran ge­dacht, dass man nach ei­nem vier­tel Jahr­hun­dert so ei­ne po­si­ti­ve Bi­lanz zie­hen kann.

Be­gon­nen mit 2.565 Mäd­chen und Jun­gen im Jah­re 1991 freu­en wir uns heu­te über fast 12.000 Kin­der und Ju­gend­li­che, dar­un­ter rund 1/3 Mäd­chen, in den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren des Lan­des. Be­mer­kens­wert da­ran ist, dass ent­ge­gen der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung seit 2008 wie­der ste­tig stei­gen­de Mit­g­lie­der­zah­len im Nach­wuchs­be­reich zu ver­zeich­nen sind. Trotz teil­wei­se sehr schwie­ri­ger Rah­men­be­din­gun­gen ge­ra­de in den letz­ten Jah­ren ist die­se po­si­ti­ve Ent­wick­lung übe­r­aus be­ein­dru­ckend.

Ent­schei­den­den An­teil an die­ser Ent­wick­lung ha­ben die vie­len eh­renamt­li­chen Be­t­reue­rin­nen und Be­t­reu­er vor Ort in den Ge­mein­den, die sich sehr en­ga­giert um den Feu­er­wehr­nach­wuchs küm­mern. Mehr als 15.000 Feu­er­wehr­an­ge­hö­ri­gen be­such­ten seit 1999 ju­gend­spe­zi­fi­sche Lehr­gän­ge vor al­lem des ehe­ma­li­gen Bil­dungs­zen­trums der Ju­gend­feu­er­wehr Sach­sen-An­halt He­y­roths­ber­ge und ha­ben die dort ver­mit­tel­ten in­halt­li­chen und me­tho­di­schen Im­pul­se sehr gut in Pra­xis um­ge­setzt. Nicht nur ich ha­be die Ju­gend­feu­er­wehr Sach­sen-An­halt in all den Jah­ren als ei­nen sta­bi­len Fak­tor inn­er­halb un­se­res Lan­des wahr­ge­nom­men. Sie hat sich trotz man­cher zum Teil sehr un­qua­li­fi­zier­ter Qu­er­schüs­se aus ver­schie­de­nen Rich­tun­gen nicht von ih­rem Kurs ab­brin­gen las­sen! Sie hat im­mer wie­der neue Ide­en ent­wi­ckelt und Pro­jek­te für die Kin­der- und Ju­gend­feu­er­weh­ren an­ge­scho­ben! Die er­folg­rei­che Bi­lanz der 25 Jah­re gibt ihr recht!

Ei­ne sol­che er­folg­rei­che Nach­wuchs­ar­beit ist die ent­schei­den­de Ba­sis für die Er­hal­tung der Leis­tungs- und Zu­kunfts­fähig­keit un­se­rer Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren.

Ich bin stolz dar­auf, dass ich die 25 Jah­re Ju­gend­feu­er­wehr Sach­sen-An­halt erst als Di­rek­tor der da­ma­li­gen Brand­schutz- und Ka­tastro­phen­schutz­schu­le (BKS) He­y­roths­ber­ge, dann als Lan­des­brand­di­rek­tor und jetzt als Eh­ren­mit­g­lied der Ju­gend­feu­er­wehr Sach­sen-An­halt be­g­lei­ten und mich ein­brin­gen durf­te. In mei­nen nun­mehr fast 50 Jah­ren, in de­nen ich mit der sc­hö­nen Sa­che „Feu­er­wehr“ ver­bun­den bin, la­gen mir gu­te Aus­bil­dung und  Nach­wuchs­ar­beit stets am Her­zen. Bei­des sind Grundp­fei­ler ei­ner gut funk­tio­nie­ren­den Feu­er­wehr!

Wer das nicht be­g­reift aber vor al­lem nicht lebt, ge­fähr­det die Zu­kunft un­se­rer Feu­er­weh­ren!

Des­halb gilt es, in den nächs­ten Jah­ren in der Nach­wuchs­ar­beit nicht nach­zu­las­sen! 

Wenn im Ab­schluss­be­richt des Pro­jek­tes „Feu­er­wehr 2020“ fest­ge­s­tellt wird „dass aus un­ter­schied­li­chen Grün­den 43,72 % (714) Frei­wil­li­ge Feu­er­weh­ren im­mer noch kei­ne Ju­gend­feu­er­wehr, 78,93 % (1.289) im­mer noch kei­ne Kin­der­feu­er­wehr und 30,68 % (701) kei­ne weib­li­chen Mit­g­lie­der im Ein­satz­di­en­st“ ha­ben, ist of­fen­sicht­lich, wel­che er­heb­li­chen Po­ten­tia­le bis­her nicht ge­nutzt wur­den. An die­ser Stel­le möch­te ich aber auch deut­lich be­to­nen, dass es eben nicht reicht - ge­ra­de bei ei­nem rich­ti­ger­wei­se vom In­nen­mi­nis­ter in­i­ti­ier­ten Pro­jekt - sol­che De­fi­zi­te nur fest­zu­s­tel­len, son­dern hier müs­sen da­nach po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tungs­trä­ger auf al­len Ebe­nen ih­rer Ver­ant­wor­tung auch ge­recht wer­den und dem­ent­sp­re­chen­de Un­ter­stüt­zungs- und För­der­mög­lich­kei­ten er­öff­nen.

Es muss aber auch ge­lin­gen, die Ka­me­ra­din­nen und Ka­me­ra­den, die sich der ver­ant­wor­tungs­vol­len Auf­ga­be der Nach­wuchs­ar­beit stel­len, inn­er­halb des Sys­tems  Feu­er­wehr stär­ker zu un­ter­stüt­zen. Spe­zi­ell liegt mit hier das The­ma „Um­gang mit­ein­an­der“ sehr am Her­zen, was aus mei­ner Sicht im Hin­blick auf die ge­gen­wär­ti­gen Ent­wick­lun­gen in Sach­sen-An­halt, für mich das wich­tigs­te The­ma dar­s­tellt. Des­halb darf es auch kein Ta­bu-The­ma sein.

Ge­ra­de weil es heu­te schon Feu­er­weh­ren gibt, in de­nen in­zwi­schen bis zu 90 % der Mit­g­lie­der im Ein­satz­di­enst aus dem Nach­wuchs­be­reich kom­men, sind die Kin­der- und Ju­gend­feu­er­weh­ren für das Funk­tio­nie­ren ei­ner frei­wil­li­gen Feu­er­wehr in der Zu­kunft von ent­schei­den­der Be­deu­tung. Nach wie vor scheint es ei­ner Rei­he Füh­rungs­kräf­te nicht be­wusst zu sein, dass die Ar­beit für und mit den Mit­g­lie­dern der Kin­der- und Ju­gend­feu­er­wehr nicht nur ei­ne In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft ist, son­dern dass sie ge­ra­de in der heu­ti­gen Zeit ei­ne be­deut­sa­me so­zia­le Funk­ti­on hat.     Kin­der- und Ju­gend­feu­er­weh­ren schei­nen zu­neh­mend all­ge­mein-er­zie­he­ri­sche, er­leb­nis­o­ri­en­tier­te und sinn­s­tif­ten­de Auf­ga­ben er­fül­len zu müs­sen.

Wenn man sich die­ser für die ge­sam­te Ge­sell­schaft wich­ti­gen Funk­ti­on der Nach­wuchs­ar­beit be­wusst ge­wor­den ist, müs­sen in ab­seh­ba­rer Zeit auch Ta­ten fol­gen.

Im Ab­schluss­be­richt des Pro­jek­tes „Feu­er­wehr 2020“ wird auch fest­ge­s­tellt: „ Ein gro­ßes Pro­b­lem stellt der Rück­gang der Mit­g­lie­der der Ju­gend­feu­er­weh­ren beim Über­gang in die ak­ti­ve Wehr dar“

Es ist aber drin­gend ge­bo­ten, nicht bei ei­ner sol­chen Fest­stel­lung ste­hen zu blei­ben, son­dern den auch in­ter­nen Ur­sa­chen da­für in der Feu­er­wehr und in der Ver­bands­ar­beit auf den Grund zu ge­hen. Das ist in ers­ter Li­nie ein An­spruch, den gu­te Füh­rungs­kräf­te an sich selbst stel­len soll­ten!

Vi­el­leicht ist es un­ter die­sem Aspekt sinn­voll, den ei­ge­ne Füh­rungs­s­til zu hin­ter­fra­gen. Wir kön­nen es uns mei­ner Mei­nung nach nicht mehr leis­ten, durch Feh­ler, die bei der Über­win­dung des ei­ge­nen Stol­zes sch­nell ab­s­tell­bar wä­ren und  durch über­zo­ge­ne Kri­tik­emp­find­lich­keit und In­to­le­ranz, jun­ge Ka­me­ra­din­nen und Ka­me­ra­den zu ver­p­rel­len oder da­nach zu st­re­ben, sie „aus­zu­schal­ten“. Wenn de­mo­k­ra­ti­sche Prin­zi­pi­en zwar pro­pa­giert aber im Um­gang un­te­r­ein­an­der dann Ge­hor­sam und Un­ter­ord­nung ge­for­dert wer­den, Kri­tik un­er­wünscht ist und so­gar ka­me­rad­schaft­li­che Ge­spräche durch An­walts­sch­rei­ben er­setzt wer­den, dann ist das ein mehr als zwei­fel­haf­ter Um­gang mit jun­gen Men­schen. Vor al­lem, wenn man­geln­des Feu­er­wehr­wis­sen durch stram­me Kör­per­hal­tung und „Be­fehls­ton“ er­setzt wer­den, blei­ben Krea­ti­vi­tät und Ide­en­reich­tum zu­neh­mend auf der St­re­cke. Zu­neh­men­de De­mo­ti­va­ti­on ist die Fol­ge!

Es ist die ori­gi­nä­re Ver­ant­wor­tung al­ler Füh­rungs­kräf­te - im Üb­ri­gen auch der in den Feu­er­wehr­ver­bän­den - hier stär­ker in die Of­fen­si­ve zu ge­hen, nichts un­ter die De­cke zu keh­ren, mehr To­le­ranz wal­ten zu las­sen und den Ju­gend­li­chen ei­ne Chan­ce in un­se­ren Rei­hen zu ge­ben!

 

Al­les Gu­te wünscht Eu­er Eh­ren­mit­g­lied
Dr. Pe­ter La­de­wig